**Dramatisches Unentschieden im Westschlager: Preußen glänzen mit Comeback**
**Nervenaufreibender Westschlager endet mit einer Punkteteilung dank überragender Comeback-Qualitäten der Adlerträger**
Wenn die Preußen auf die Essener Kicker treffen, liegt stets ein elektrisierendes Knistern in der Luft, das aus der jahrzehntelangen Rivalität der beiden Traditionsclubs resultiert. Von den sich "nicht unbedingt zugeneigten Vereinen“, ist diplomatisch im Stadionheft NullSechs der Preußen die Rede. Diese höfliche Formulierung spiegelt sich im Spiel in Form von gegenseitigen Fanbeschimpfungen wider. Die Fans machen keinen Hehl aus ihrer Abneigung. die giftige Stimmung entlädt sich allerdings nur gelegentlich auch auf dem Spielfeld des ausverkauften Stadions.
Die als Favoriten angereisten Essener machten mit frühen Chancen deutlich, dass sie nach Münster gekommen waren, um drei Punkte mitzunehmen und ihren Platz an der Tabellenspitze zu festigen. Doch nach und nach gewannen die Preußen die Oberhand, und es begann eine Spielphase, die Essens Trainer nach Abpfiff so beschrieb: „Es tut einer Mannschaft aus dem Ruhrgebiet richtig weh, wenn sie so weggehauen wird. “ Kann es ein schöneres Kompliment für Wöhrle und seine Elf geben?
Die Preußen münzten ihre Überlegenheit in Tore um. Ein Schlenzer von Montell Ndikom nach einem Pass von Felix Higl landete in der 16. Minute im Winkel – wieder ein Traumtor des 21-Jährigen. Wenig später war es Higl selbst, der nach einem Pass des torgefährlichen Makridis das 2:0 klarmachte. Es war der zweite Ligatreffer für Higl, der zuletzt im August gegen Viktoria Köln getroffen hatte.
Uwe Koschinat war schon während der ersten Spielhälfte anzumerken, wie angefressen er von der unter Wert agierenden Mannschaft war. Nach der Pause kamen seine Essener deutlich verbessert zurück. Innerhalb kürzester Zeit kippte die Partie, und plötzlich lagen die in Rot spielenden Essener mit 3:2 vorn. Janssen sorgte in der 60. Minute aus dem sprichwörtlichen Nichts heraus für das 1:2. Doch damit nicht genug: Rios Alonso konnte in der 79. Minute ausgleichen. Der Erfolg gab den Essenern an diesem tristen, regnerischen Freitagabend frischen Auftrieb.
Münsters Keeper Behrens traf beim Rauslaufen den erneut anstürmenden Janssen mit der Faust am Kopf – es gab Elfmeter für die Gäste. Gegen den platzierten Schuss von Telalovic war der Keeper dann machtlos, obwohl er die richtige Ecke geahnt hatte (82.). Nun war es wieder an den Preußen, sich zu rütteln und zu schütteln, und die junge Mannschaft bewies erneut Comeback-Qualitäten. Es sollte der gerade erst eingewechselte Joshua Mees sein, der für den Ausgleich sorgte. „Ein mehr als verdienter Ausgleich“, wie sogar Essens Coach Uwe Koschinat fand. Dabei blieb es dann auch, nach einer turbulenten, nervenaufreibenden und wechselhaften Partie.
In der Pressekonferenz nach dem Spiel überraschte Uwe Koschinat mit dieser Aussage: „Bei uns überwiegt die Freude über einen gewonnenen Punkt. “ Bei Preußen-Kapitän Torge Paetov klang die Bilanz anders: „Wir haben ganz ordentlich gespielt, haben die erste Halbzeit auch gut gespielt. Dann kommst du raus in der zweiten Halbzeit und kassierst das 2:1. Und dann darf es nicht passieren, dass es so ausgeht. Sonst haben wir öfter in der zweiten Halbzeit besser gespielt als in der ersten. Das hätten wir nach dem 2:0 nicht mehr hergeben dürfen, also ich bin nicht froh, dass wir jetzt noch einen Punkt geholt haben in diesem Spiel. “
Preußen-Coach war insbesondere mit der ersten Halbzeit seiner Mannschaft sehr zufrieden: „Mit der Dominanz gegen den Ball haben wir dafür gesorgt, dass die Offensive der Essener wenig zur Geltung kam. Wir waren gegen den Ball sehr geschlossen und organisiert. “ Er bemängelte allerdings, dass es sein Team versäumt hat, schon frühzeitig „den Deckel drauf zu machen, die Chancen dafür hatten wir. “ Die Art und Weise, wie wir wieder zurückgekommen sind, das ist Preußen Münster pur und außergewöhnlich. “
Lange Zeit zum Aufarbeiten der Partie bleibt den Preußen in dieser englischen Woche eh nicht. Am Mittwoch, am 9. Spieltag, steht gleich der nächste Westschlager an. Zu Gast im LVM-Preußenstadion (19 Uhr): Die Fortuna aus Düsseldorf, die von Preußen-Ex-Trainer Alexander Ende trainiert wird. Die stehen inzwischen nach einem verpatzten Saisonstart auf Platz 10, die Preußen auf Platz 7. (fb)
Bild: Viel Pyro auf beiden Seiten. Foto: Frank Biermann