Bittere Pokal-Pleite für die Preußen
Auch finanziell trifft das Aus den Verein hart
Freitagabend, ausverkauftes LVM-Preußenstadion: Alle erwarteten einen echten Pokalfight zwischen dem Drittligisten aus Münster und dem ambitionierten Zweitligisten aus Karlsruhe. Und sie bekamen ihn. Lange war vom Klassenunterschied nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Preußen dominierten, ließen die Badener kaum ins Spiel kommen und gingen verdient in Führung. Ndikom traf nach Vorlage des starken Johannson, der aus 17 Metern trocken ins untere Eck einschoss. Es war nur eine von mehreren Chancen, die sich die Münsteraner erspielten. Mit einem leicht euphorischen Lächeln gingen die Fans in die Halbzeitpause. Sollte das Pokalwunder gelingen?
Doch die zweite Hälfte brachte die Wende. KSC-Coach Maximilian Senft wechselte und stellte die Weichen neu. Gleich zu Beginn brachte er Ben Farhat für Eichinger. Der Deutsch-Tunesier hatte nach acht Minuten seine erste Chance und zog wenig später aus der Distanz ab. Die Preußenabwehr geriet zunehmend unter Druck. „Hinten raus fehlten uns die körperliche und mentale Frische, um gegen die ambitionierten Karlsruher standzuhalten. Es hat viel Kraft gekostet, so lange auf Augenhöhe zu spielen“, erklärte Preußen-Coach Thomas Wörle später.
Dann schlug Marvin Wanitzek zu, der in Münster als Unterschiedsspieler bekannt ist. Aus gut 25 Metern traf er überraschend ins Tor. Keeper Morten Behrens, der zuvor mehrfach stark pariert hatte, war machtlos. Die Preußen schafften es kaum noch, Entlastungsangriffe zu starten. Beim 2:1 lud die Abwehr die Gäste förmlich ein: Routinier Jung stand völlig frei vor Behrens und traf aus kurzer Distanz (81.).
In der hitzigen Schlussphase forderten einige Münsteraner einen Elfmeter, nachdem Makridis im Strafraum zu Fall kam. Schiedsrichter Felix Badstübner ließ weiterspielen, der VAR griff nicht ein. Kurz vor Abpfiff sah der eingewechselte Samuel Althaus noch die Rote Karte.
Nach dem Spiel lobte KSC-Coach Senft die Gastgeber: „Sie haben ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht. “ Für ihn sei es ein „Sieg des Willens“ gewesen. Wörle freute sich über die Anerkennung, wusste aber: „Davon können wir uns nichts kaufen. “ Das Ausscheiden schmerzt nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. „Ein Weiterkommen hätte uns so viel TV-Geld eingebracht wie die gesamte Drittligasaison“, erklärte Finanzchef Markus Sass. Dazu wären die Einnahmen aus einem weiteren Heimspiel gekommen, denn als Drittligist hätten die Preußen erneut Heimrecht gehabt. Allein 456.000 Euro an TV-Geldern wären beim Erreichen der 2. Runde geflossen. Insgesamt sind dem Verein schätzungsweise 600.000 bis 800.00 Euro entgangen. (fb)
Bild: Die Chemie zwischen den Fans und der Mannschaft ist auch nach dem Pokal-Aus intakt. Foto: FRank Biermann