Sonntags morgens auf dem zugfreien Bahnsteig
Hört die DB Regio keine Wettervorhersagen?
Selbst an einem Sonntagmorgen gibt es Menschen, die den Öffentlichen Verkehr nutzen müssen, um zum Beispiel zur Arbeit zu kommen. Am Sonntag, den 25. Oktober 2026, zeigte das Management der DB Regio wieder einmal, dass der DB-Spruch „Alle reden vom Wetter. Wir nicht.“ nun in „Alle hören die Wettervorhersage. Wir nicht.“ geändert werden muss.
Warten, hoffen, laufen, hoffen, resigniert umkehren
Die RB64 von Münster nach Enschede sollte am 25. Oktober um 8:08 Uhr von Gleis 4 abfahren. Der Nachtbus in Münster kam fast pünktlich, so dass dem Weg zur Arbeit im Kreis Steinfurt nicht mehr viel im Wege zu stehen schien. Doch da wurde die Rechnung ohne die DB Regio gemacht.
Niemand wirft der Bahn vor, dass es wie Zuginfo.nrw meldete, ab 7:29 Uhr auf der Linie RB 64 zu Einschränkungen bis voraussichtlich 11:44 Uhr kommt: „Der Grund dafür ist ein Unwetter. Es kommt zu Ausfällen auf dem gesamten Laufweg.“
Betroffen seien, so der Sachstand um kurz vor neun Uhr, folgende Fahrten:
Gronau (Westf) (07:45) – Münster (Westf) Hbf (08:44)
Enschede (09:33) – Münster (Westf) Hbf (10:44)
Enschede (10:33) – Münster (Westf) Hbf (11:44)
Münster (Westf) Hbf (08:08) – Enschede (09:27)
Münster (Westf) Hbf (09:08) – Enschede (10:27)
Es folgte der Rat: „Fahrgäste weichen bitte auf einen der Folgetakte aus.“ Sicher, wer zwei Stunden an einem Haltepunkt oder Bahnhof grundsätzlich ohne geöffnete Infrastruktur am Sonntagmorgen Ende Oktober verbringen will, wird dies sicherlich gern tun. Tatsächlich musste die verhinderte
Bahnfahrerin zunächst warten und hoffen, dann zwischen Bahnsteig, Haltestelle und SEV-Haltepunkt hin- und herlaufen. Ohne Erfolg, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Nach dem Desaster mit derFehlanzeige auf dem Bahnsteig und dadurch verpassten Regionalbahn kehrte sie resigniert um, fuhr
mit dem Stadtbus nach Hause. Zweieinhalb Stunden nachdem sie die Haustür verlassen hatte, stand sie am PKW vor der Haustür. Mit dem Auto erreichte sie schließlich Steinfurt.
Schienenersatzverkehr mit einem Bus?
Ein Schienenersatzverkehr (SEV) „mit einem Bus der Firma Lapok“ aus Gladbeck zwischen Enschede und Münster (Westf) Hbf sei eingerichtet, vermeldete schon vor acht Uhr Zuginfo.nrw. Wie mit einem Bus Schienenersatzverkehr zwischen dem westfälischen Münster und niederländischen Enschede durchgeführt werden soll, ist kaum vorstellbar, zumal das Busunternehmen von seinem Standort nach Münster und Enschede jeweils rund eine Stunde Fahrzeit benötigt. Eine wirkliche Alternative ist auch der Regionalbus 73 – er verkehrt Sonntags früh nur alle zwei Stunden – mit seinen 100 Haltestellen zwischen dem Hauptbahnhof und dem Zielort Burgsteinfurt nicht wirklich. In der Zugausfallzeit fuhr nur ein Bus um 8:58 Uhr ab Hauptbahnhof nach Burgsteinfurt. Als der abfuhr, wurde auf Gleis vier im Hauptbahnhof noch die RB 64 angezeigt.
Eine Stunde gewonnen – zwei Stunden verloren
Pro Bahn Münsterland hat schon häufiger die schlechte Informationslage bei Ausfällen kritisiert.
„Insbesondere widersprüchliche Aussagen, also zum Beispiel Ankündigung der Verbindung im Bahnhof und Ausfallmeldung im Internet, verunsichern oder verwirren die Fahrgäste. Ich selbst habe schon mehrfach in Zügen gesessen und bin bis zu meinem Ziel gefahren worden, obwohl die Verbindung im DB-Navigator als „Ausfall“ gekennzeichnet war. Gerade bei der Absprache und
Deutlichkeit der Anzeigen – egal ob digital oder analog – sehe ich erheblichen Nachholbedarf“, erkläre Werner Szybalski, Vorsitzender von Pro Bahn Münsterland.
Um besser gewappnet zu sein, und nicht wie der Fahrgast in Richtung Steinfurt am Morgen, trotz eines Stundengewinns durch die Zeitumstellung am Ende mehr als zwei, eigentlich fast drei Stunden zu verlieren, empfiehlt Pro Bahn Münsterland für Gelegenheitsfahrgäste bei Zweifeln am geregelten Bahnverkehr auf die Webseite zuginfo.nrw zu schauen. Regelmäßige Fahrgäste sollten für ihre Hauptstrecke auf der Webseite ein E-Mail-Abo oder Web Push einrichten. „Die Erfahrung zeigt, dass die Webseite der nordrhein-westfälischen Eisenbahnverkehrsunternehmen DB Regio, Eurobahn und Nationalexpress im Auftrag der drei NRW-Zweckverbände der zuverlässigste Dienst ist“, verdeutlicht Werner Szybalski, der auch diesen Text verfasst hat.
Busse sollten bereit stehen
Besonders problematisch sieht Pro Bahn Münsterland die Organisation des SEVs. „Es war in der zweiten Sturmnacht in Folge absehbar, dass es am Sonntagmorgen Ausfälle geben wird. Da müsstenzumindest an den Knotenbahnhöfe wie Münster morgens schon Busse bereit stehen, um dem Beförderungsauftrag wirklich wahrnehmen zu können“, fordert Szybalski.
Bildzeile: Einfahrt RB64 der DB Regio in den Haltepunkt Häger. (Foto: Werner Szybalski / PBMSL)