Preußen Münster feiert nach 10 Monaten den Heimsieg dank Header-Tor von Lucas Zeller
Lucas lässt die Preußen-Fans jubeln und sorgt mit Köpfchen für den ersten Heimsieg seit zehn Monaten
In der 3. Liga gewinnt nicht immer die technisch bessere, die filigran spielende Mannschaft. Oft setzt sich das jüngere, noch unfertige Team durch, das zwar Fehler macht, aber füreinander einsteht, vom Siegeswillen lebt und über Kampf und intensive Duelle ins Spiel findet. Klagen über den Schiedsrichter verbieten sich dann. Im LVM-Preußenstadion an der Hammer Straße wurde 3. Liga nicht nur gearbeitet, sondern geschuftet – ohne Rücksicht auf sich selbst oder den Gegner. Die Hannover-Vorort-Kicker brachten dabei eine Qualität auf den Rasen, die viele unterschätzt hatten. Zum Unterschiedsspieler avancierte Alexander Guiddir, der schon beim 3:2 des TSV Havelse gegen den SC Waldhof Mannheim geglänzt hatte – und auch diesem Spiel auf Seiten der Niedersachsen seinen Stempel aufdrückte.
Münster startete forsch, mutig – und kam zu Chancen durch Marvin Schulz II und Babis Makridis. Doch traf ausgerechnet der lange verletzte Innenverteidiger Antonio Ticvic: Er nahm sich ein Herz und jagte den Ball aus rund 28 Metern zum umjubelten 1:0 ins Netz. Sein erster Treffer im Adlertrikot. Statt nun souveräner aufzuspielen, verhedderten sich die Preußen. Die keineswegs schwachen, sondern mit viel individueller Klasse gesegneten „Schlawiner“ – so der Kosename der Mannschaft, mit mehreren Spielern, die in Nigeria oder Ghana Chancen auf die Nationalelf haben – übernahmen das Kommando. Guiddir hatte schon in der 32. Minute den Ausgleich auf dem Schlappen. In der 35. nahm er einen Abstoß seines Keepers auf und vollendete gegen den chancenlosen Morten Behrens. Zu allem Überfluss verletzte sich kurz darauf Kapitän Niko Koulis; für ihn kam Lucas Zeller. Behrens übernahm die Binde.
In der zweiten Halbzeit versuchten die Preußen, die Spielkontrolle zurückzuholen, und erspielten sich erneut Chancen durch Schulz und Makridis. Schön war das nicht immer. Fouls galten als Mittel der Wahl, wirklich rüde wurde es aber nicht. „Wir haben unser Herz auf dem Platz gelassen“, sagte Thomas Wörle nach dem Spiel. Dass die Preußen den Rasen nicht mit hängenden Köpfen verließen, lag an Zeller. In der 88. Minute köpfte der Eingewechselte gekonnt über Gästekeeper Ömer Harin – das erlösende 2:1. Das erste Pflichtspieltor der Adlerträger vor der Fiffi-Gerritzen-Kurve, die in Verzückung geriet. Danach wurde gezittert. Schiri Martin Wilke gab nur zwei Minuten Nachspielzeit. Gästetrainer Samir Ferchichi bescheinigte den Preußen etwas schelmisch „mehr Ballbesitz und Reife“, allerdings „ohne Torgefahr“ auszustrahlen. Zurückhaltend fiel seine Kritik am SchiedsrichterMartin Wilke aus: In der 80. Minute lagen nach einem Zweikampf gleich zwei Havelser im Sechzehner – natürlich auch wieder Alex Guiddir – doch der Elfmeterpfiff blieb aus. „Eigentlich“, so Ferchichi, „hätte das Spiel heute keinen Sieger verdient. “ Entsprechend gefrustet kehrten die Kicker des TSV Havelse in die Kabinen zurück. Den Preußen war’s egal. Die Stimmung nach dem Spiel: Ausgelassen mindestens.. Tom Wöhrle monierte, seine Mannschaft sei in den Zweikämpfen nicht immer auf „Topniveau“ gewesen. „Das Spiel war sehr umkämpft und intensiv. “ Ryan Johansson und der eingewechselte Samuel Althaus hätten immer wieder für Gefahr vor dem gegnerischen Tor gesorgt. „Wir haben eine tolle Energie gehabt, gemeinsam mit unseren Fans, und den Bock umgestoßen. Wir freuen uns sehr über den Sieg des Kampfes und des Willens“
Bild: Von 12. 144 Zuschauer, davon 48 aus Havelse, konnten die Adlerträger endlich mal wieder gewinnen. Foto: Frank Biermann